,Was ist anders? Was ist gleich ? – Teil 2

Nun bin ich also schon seit sechs Wochen zurück aus Norwegen, ich unterrichte wieder in Deutschland und bin wieder ganz daheim. Und da sind tatsächlich auch ein paar Dinge, die mir erst jetzt als große Unterschiede auffallen. Zunächst gehe ich auf ein paar Aspekte der Umgangsformen ein und erzähle schließlich etwas über Sprüche, die ich hier in Deutschland gehört habe und die in Norwegen absolut tabu sind.

Dass Norweger sich gerne bedanken bzw. „takk“ sagen, das hört und liest man sehr viel im Internet, aber sie bedanken sich eben auch nicht Für alles (danken).

Es ist allerdings eine gänige Höflichkeitsform takk zu sagen, das zeigt sich auch beim Schreiben von E-Mails. Da sagt der Norweger gerne „takk for i siste“ und meint damit so viel wie, schön dass wir nach dem letzten Mal wieder in Kontakt miteiander sind. Dass es so einen Ausdruck im Deutschen nicht gibt, habe ich einigen verwunderten norwegischen Schülern versucht zu erklären.

Was es wiederum in vielen norwegischen E-Mails nicht gibt, sind indirekte Formulierungen um Bitten oder Anfragen zu stellen. Es scheint eine typisch deutsche Formulierung zu sein, wenn man schreibt: „Wir würden uns über eine positive Rückmeldung von Ihnen sehr freuen.“ oder „Es wäre schön, wenn Sie XY schicken könnten“. In Norwegen ist viel üblicher direkt anzusprechen, was man will und es ist auch überhaupt nicht unhöflich das in wenigen Worten zu sagen. Dann würde es z.B. heißen „Schicken Sie uns XY zu.“

Darüber hinaus wird es in Norwegen positiv und gern gesehen, wenn man Probleme offen anspricht. Nur so kann auch eine Lösung für eine Unstimmigkeit gefunden werden. Es bringt also gar nichts, wenn man aus lauter Höflichkeit sagt, dass man seine Unterkunft gut findet, wenn man tatsächlich meint, dass man in Deutschland besser unterkommen würde. Auf die Frage, ob man eine gute Unterkunft hat, wird also eine ehrliche Antwort erwartet. Es wird nicht erwartet, dass man meckert, sondern ganz konstruktiv sagt, was man im Einzelnen nicht mag an seiner Unterkunft. Dasselbe gilt für Arbeitsaufträge die man erhält. Man sollte es vermeiden den Arbeitsauftrag insgesamt als schlecht oder unmachbar zu beurteilen, sondern genau anmerken, an welchen Punkten man nicht versteht, was gefordert ist. Die Norweger sind sehr hilfsbereit und werden ihr Möglichstes tun, um eine neue Lösung herbeizuführen. Die Devise lautet „Es kann sich nur etwas zum Guten ändern, wenn man das Schlechte anspricht!“.

Wer noch mehr zum Thema kulturelle Unterschiede und Höflichkeit lesen möchte, den kann ich auf diesen Link verweisen hoeflich-vs-unhoeflich-oder-koennen-wir-jetzt-endlich-den-kuchen-anschneiden. Wie man in Norwegen einen Kuchen anschneidet habe ich tatsächlich selbst an meinem letzten Tag in der Schule erlebt und kann diesen Bericht nur bestätigen.

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Zum Abschied gab’s diesen leckeren Kuchen

Der letzte und für mich wirklich größte Unterschied fällt unter das Stichwort „sozialistische Brüderlichkeit“, damit meine ich natürlich auch die „Schwesterlichkeit“. Insbesondere bei pädagogischen Fragen ist mir aufgefallen, dass in Norwegen ein anderes gesellschaftliches System vorherrscht. In Deutschland kann man doch vorwiegend von einem Leistungsprinzip sprechen. Damit meine ich, dass Leistung belohnt wird. In der Schule geschieht dies beispielsweise durch gute Noten, Unterstützung bei der Ausbildungsplatzsuche und andere Vorzüge, die leistungsstarke Schüler genießen. Das Leistungsprinzip sieht damit auch eine Form der Selektion vor. Weniger leistungsstarke Schüler fallen dieser Auswahl zum Opfer. Am meisten gestutzt habe ich nach meiner Rückkehr an eine deutsche Schule über Sprüche wie „In der Klasse muss noch aussortiert werden.“, „Da müssen wir noch einige Schüler absägen“.  In Norwegen gilt eher die Devise „Alle werden mitgenommen“ und solche Sprüche sind absolut undenkbar und darüber hinaus absolut unaussprechbar.

Dieser Unterschied ist mir dann auch in meiner Art zu unterrichten aufgefallen. Durch meinen Aufenthalt in Norwegen habe ich mich zurück besinnt auf eine Fortbildung zum Thema „Positiver Unterricht“, die ich im Referendariat in Paderborn erleben konnte. Hier der Link zur Seite der Dozentin, Dr. Dorothea Böhm:  http://www.dorotheaboehm.de/PU_Positiver-Unterricht/

Die dort vermittelten Techniken helfen mir tatsächlich ein Stück „Norwegen“ in Duisburg zu leben.

Ein Gedanke zu “,Was ist anders? Was ist gleich ? – Teil 2

  1. Pingback: Ist da wirklich alles so schön? oder auch Abschlussbericht | frauhartkopf

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