,Was ist anders? Was ist gleich ? – Teil 2

Nun bin ich also schon seit sechs Wochen zurück aus Norwegen, ich unterrichte wieder in Deutschland und bin wieder ganz daheim. Und da sind tatsächlich auch ein paar Dinge, die mir erst jetzt als große Unterschiede auffallen. Zunächst gehe ich auf ein paar Aspekte der Umgangsformen ein und erzähle schließlich etwas über Sprüche, die ich hier in Deutschland gehört habe und die in Norwegen absolut tabu sind.

Dass Norweger sich gerne bedanken bzw. „takk“ sagen, das hört und liest man sehr viel im Internet, aber sie bedanken sich eben auch nicht Für alles (danken).

Es ist allerdings eine gänige Höflichkeitsform takk zu sagen, das zeigt sich auch beim Schreiben von E-Mails. Da sagt der Norweger gerne „takk for i siste“ und meint damit so viel wie, schön dass wir nach dem letzten Mal wieder in Kontakt miteiander sind. Dass es so einen Ausdruck im Deutschen nicht gibt, habe ich einigen verwunderten norwegischen Schülern versucht zu erklären.

Was es wiederum in vielen norwegischen E-Mails nicht gibt, sind indirekte Formulierungen um Bitten oder Anfragen zu stellen. Es scheint eine typisch deutsche Formulierung zu sein, wenn man schreibt: „Wir würden uns über eine positive Rückmeldung von Ihnen sehr freuen.“ oder „Es wäre schön, wenn Sie XY schicken könnten“. In Norwegen ist viel üblicher direkt anzusprechen, was man will und es ist auch überhaupt nicht unhöflich das in wenigen Worten zu sagen. Dann würde es z.B. heißen „Schicken Sie uns XY zu.“

Darüber hinaus wird es in Norwegen positiv und gern gesehen, wenn man Probleme offen anspricht. Nur so kann auch eine Lösung für eine Unstimmigkeit gefunden werden. Es bringt also gar nichts, wenn man aus lauter Höflichkeit sagt, dass man seine Unterkunft gut findet, wenn man tatsächlich meint, dass man in Deutschland besser unterkommen würde. Auf die Frage, ob man eine gute Unterkunft hat, wird also eine ehrliche Antwort erwartet. Es wird nicht erwartet, dass man meckert, sondern ganz konstruktiv sagt, was man im Einzelnen nicht mag an seiner Unterkunft. Dasselbe gilt für Arbeitsaufträge die man erhält. Man sollte es vermeiden den Arbeitsauftrag insgesamt als schlecht oder unmachbar zu beurteilen, sondern genau anmerken, an welchen Punkten man nicht versteht, was gefordert ist. Die Norweger sind sehr hilfsbereit und werden ihr Möglichstes tun, um eine neue Lösung herbeizuführen. Die Devise lautet „Es kann sich nur etwas zum Guten ändern, wenn man das Schlechte anspricht!“.

Wer noch mehr zum Thema kulturelle Unterschiede und Höflichkeit lesen möchte, den kann ich auf diesen Link verweisen hoeflich-vs-unhoeflich-oder-koennen-wir-jetzt-endlich-den-kuchen-anschneiden. Wie man in Norwegen einen Kuchen anschneidet habe ich tatsächlich selbst an meinem letzten Tag in der Schule erlebt und kann diesen Bericht nur bestätigen.

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Zum Abschied gab’s diesen leckeren Kuchen

Der letzte und für mich wirklich größte Unterschied fällt unter das Stichwort „sozialistische Brüderlichkeit“, damit meine ich natürlich auch die „Schwesterlichkeit“. Insbesondere bei pädagogischen Fragen ist mir aufgefallen, dass in Norwegen ein anderes gesellschaftliches System vorherrscht. In Deutschland kann man doch vorwiegend von einem Leistungsprinzip sprechen. Damit meine ich, dass Leistung belohnt wird. In der Schule geschieht dies beispielsweise durch gute Noten, Unterstützung bei der Ausbildungsplatzsuche und andere Vorzüge, die leistungsstarke Schüler genießen. Das Leistungsprinzip sieht damit auch eine Form der Selektion vor. Weniger leistungsstarke Schüler fallen dieser Auswahl zum Opfer. Am meisten gestutzt habe ich nach meiner Rückkehr an eine deutsche Schule über Sprüche wie „In der Klasse muss noch aussortiert werden.“, „Da müssen wir noch einige Schüler absägen“.  In Norwegen gilt eher die Devise „Alle werden mitgenommen“ und solche Sprüche sind absolut undenkbar und darüber hinaus absolut unaussprechbar.

Dieser Unterschied ist mir dann auch in meiner Art zu unterrichten aufgefallen. Durch meinen Aufenthalt in Norwegen habe ich mich zurück besinnt auf eine Fortbildung zum Thema „Positiver Unterricht“, die ich im Referendariat in Paderborn erleben konnte. Hier der Link zur Seite der Dozentin, Dr. Dorothea Böhm:  http://www.dorotheaboehm.de/PU_Positiver-Unterricht/

Die dort vermittelten Techniken helfen mir tatsächlich ein Stück „Norwegen“ in Duisburg zu leben.

Wie sieht der Stundenplan für Kaufleute Büromanagement aus?

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Der Stundenplan ist schön kompakt und bleibt mit großer Wahrscheinlichkeit bis zum Februar genau so! Ingesamt sind es 35 Stunden Unterricht die erteilt werden.IMG_2757

Die Schüler dieser Lerngruppe, die sich in einem Bereich ähnlich dem deutschen Büromanagement ausbilden lassen, befinden sich im zweiten Jahr und letzten Jahr ihres schulischen Ausbildungsteils. Danach also im Sommer 2016 geht es in die  zweijährige,betriebliche Ausbildung. Der große Unterschied zum dualen System in Deutschland ist also die zeitliche Trennung von schulischer und räumlicher Ausbildung. Zudem dauert eine Berufsausbildung in Norwegen insgesamt vier anstatt drei Jahren. 

Der Donnerstag im zweiten Berufsschuljahr ist ein „Praktikumstag“. Die Schüler suchen sich das Praktikum selbstständig innerhalb der ersten zwei Wochen des zweiten Berufsschuljahres. Das halbjährige Praktikum wird betreut durch die Lehrer der Schule. Zum Einen erfolgt die Betreuung in einem zweistündigen Unterrichtsfach zur Vor- und Nachbereitung der Praktikumserfahrungen, zum Anderen finden auch Besuche und Gespräche im Praktikumsbetrieb statt.

Der Unterricht endet jeden Tag um 14:40 Uhr, das bedeutet ca. 7 Unterrichtsstunden pro Tag und 35 Stunden Unterricht in der Woche. Hier eine kurze Übersicht zu den erteilten Fächern.

Fach Marketing Administration & Ökonomie Berufsvorbereitung Sicher-heit Gesellschaft und Politik Norwegisch Englisch
Wochenstunden

7

6

2

+ ein Praktikumstag

3

3

2

2

Welche Fächer werden am Ende der  Berufsschulausbildung geprüft?

Anders als im deutschen Berufsausbildungssystem steht in Norwegen nicht zu Beginn der Ausbildung fest, welche Fächer oder Themen in den Abschlussprüfungen getestet werden. Umfangreiche Prüfungen stehen am Ende der zweijährigen Berufsschulzeit und am Ende der vierjährigen Gesamtausbildungszeit an. Norwegisch wird immer geprüft in Form eines schriftlichen Aufsatzes. Daneben gibt es zwei weitere schriftliche Prüfungen und eine mündlich-praktische Prüfung mit Berufsbezug, die per Zufall am Ende der zweijährigen Berufsschulausbildung jedem Prüfling zugewiesen werden. Die Prüfungskommission besteht grundsätzlich aus mindestens einem betroffenen Fachlehrer, der den Schüler kennt, sowie einem unabhängigen, schulfremden Prüfer. Die Schüler erhalten 24 Stunden vor der Prüfung einen Hinweis, welche Themen in den Prüfungen geprüft werden. Sie erhalten somit die Gelegenheit sich gezielt auf Präsentationen oder ähnliche Prüfungszenareien mittels ihrer Unterlagen vorzubereiten. Dann zahlt es sich aus, immer gute Mitschriften im Unterricht angelegt zu haben. Die Abschlussprüfungen nach vier Jahren sowie den betrieblichen Teil aller Berufsausbildungen betreut und begleitet die staatliche Organisation „Opplæringskontor“ (Ausbildungsbüro). Es wäre sicherlich sehr interessant deren Prüfungen einmal als Gast beizuwohnen. 

Ebenfalls sehr interessant ist die Tatsache, dass Fächer wie Englisch nur einmalig mit einer Note erfolgreich abgeschlossen werden müssen, das heißt, wenn ein Schüler die Ausbildung wechselt oder eine neue beginnt, dann muss er nicht zwingend alle Fächer im Klassenverband besuchen. Dennoch könnte Englisch als Prüfungsfach am Ende der Ausbildung oder am Ende der zweijährigen Berufsschulausbildung geprüft werden.

Berufswahl und Berufsausbildung

Für die betriebliche Ausbildung müssen sich die Jugendlichen bei Unternehmen bewerben um einen Ausbildungsplatz mit Ausbildungsvertrag (Lærkontrakt) zu erhalten. Bis jetzt klingt das  noch recht nachvollziehbar, insbesondere ist die Grundannahme, dass eine Berufsausbildung sowohl aus schulischer wie betrieblicher Unterweisung besteht eine Gemeinsamkeit der beiden Ausbildungssysteme in Norwegen und Deutschland.

Anders als in Deutschland besuchen aber alle Jugendlichen, die nicht das Abitur anstreben, die Berufsschule. Da sind viele Jugendliche, die einen konkreten Berufswunsch verfolgen, aber unter anderem auch Jugendliche, die schulmüde sind und keine besonders guten Schulleistungen haben. Alle müssen zur weiterführenden Schule gehen und eine Berufsspezialisierung wählen, um ihre Schulpflicht zu erfüllen. Eine bewusste Entscheidung für die Berufswahl mit Wettbewerb um Ausbildungsplätze wie wir das aus Deutschland kennen findet im norwegischen System nicht statt. Alle werden mitgenommen. Im Gegensatz dazu stehen die Berufsschüler in Deutschland schon vorher im Wettbewerb um einen Ausbildungsplatz, was in der Regel die Motivation und das Interesse für die Ausbildung erhöht.

Wie gestaltet sich die Suche nach einem betrieblichen Ausbildungsplatz?

In der Regel schreibt ein norwegischer Auszubildender ein paar Bewerbungen, selten mehr als zehn, an potentiell interessante Unternehmen. Der Bewerber wird zum Vorstellungsgespräch eingeladen und erhält dann entsprechend eine Zusage oder Absage. Die Auswahlkriterien gestalten sich ähnlich wie bei uns nach persönlichem Eindruck im Gespräch und den Noten auf dem Zeugnis. Interessant ist, dass es hier auf den Schulzeugnissen eine Bewertung für Verhalten und Ordnung gibt, ähnlich wie die umstrittenen Kopfnoten in Deutschland. Die norwegischen Betriebe schätzen diese Noten sehr, aber auch in Norwegen ist die Notenvergabe nicht unstrittig. 

Unternehmen in Norwegen erhalten eine Aufwandsentschädigung für die betriebliche Ausbildung von Lehrlingen durch den Staat. Und diese Zulage soll ausreichen, den Großteil der Ausbildungskosten inklusive der Ausbildungsvergütung abzudecken. Das wäre in Deutschland derzeit undenkbar, Bildung hat in Deutschland einen anderen Wert. Tatsächlich scheint das Angebot an Auszubildungsplätzen höher zu sein, als die Zahl der Bewerber, insbesondere in Stavanger ist dies der Fall.

Die Ausbildungsbetriebe führen i.d.R. nur ein Vorstellungsgespräch mit einem Bewerber durch. Das Probearbeiten ist nicht üblich, da dies einer Art Ausbeutung nahe käme, die den sozialistisch eingestellten Norwegern absolut zuwider ist. Aufwendige Bewerbungsverfahren wie Assessment Center führen nur wenige große Firmen aus der Ölbranche in Stavanger durch. Diese Unternehmen sind wegen besonders guter Verdienstmöglichkeiten attraktiv für die zukünftigen Arbeitnehmer. Jedoch sind die Übernahmechancen derzeit gering, da in der Ölbranche stetig Jobs abgebaut werden. Der seit Dezember 2014 sinkende Ölpreis ist die Ursache dafür.

Wie viele Bewerbungen schreiben die Schüler im Durchschnitt bevor sie eine Einladung zum Vorstellungsgespräch erhalten? Wie viele Gespräche führen sie in der Regel bevor sie eine Ausbildungsstelle erhalten? Die Antworten darauf sind natürlich individuell unterschiedlich und reichen von nur einer Bewerbung und einem Gespräch bis hin zu fünf Bewerbungsgesprächen und entsprechend mehreren Bewerbungen. Das ist mit den Verhältnissen in Duisburg sicherlich nur schwer zu vergleichen. Duisburg hat das 38-fache an Einwohnern wie Egersund und eine fünfmal so hohe Arbeitslosenquote.

Fazit: Ist es nun angenehmer eine Ausbildung für Büromanagement in Deutschland  oder in Norwegen zu absolvieren? Beide Systeme haben Vorzüge. Hinsichtlich der Aussicht auf Beschäftigung kann Norwegen sicherlich punkten. Doch ich denke, dass unser deutsches Ausbildungssystem für motiviertere und engagiertere zukünftige Arbeitnehmer sorgt.

Klassemøter

Klassemøter wird ausgesprochen wie Klassemöter, aber es hat nichts mit dem Film „Spaceballs“ zu tun. Die deutsche Übersetzung wäre „Klassenkonferenz“. Das mag sich für deutsche Lehrer nach einer disziplinarischen Maßnahme anhören, ist hier allerdings nur ein kurzes Treffen von 45 Minuten mit allen Lehrern, die in einer Klasse unterrichten. Diese Treffen finden im Verlauf der sechsten bis achten Schuljahreswochen für alle Klassen an der Dalane Vidergående Skole statt in den Zeiten, welche im Stundenplan sowieso für Konferenzen eingeplant sind. In der letzten Woche war also das erste Drittel aller Klassen dran, in dieser Woche ist das nächste Drittel dran und in der kommenden Woche haben sich dann alle Klassen einmal getroffen.

Diese Treffen werden dazu genutzt, um frühzeitig disziplinarische Regelungen bei Problemen unter den Kollegen abzusprechen. Alle Lehrer, die in einer Klasse unterrichten, können hier zu Wort kommen. Es ist ebenso Zeit gegeben, um die Termine der Klassenarbeiten, Praktikumszeiten o.ä. abzusprechen. Der Klassenlehrer leitet und protokolliert das Treffen. Die Treffen an denen ich teilnehmen konnte waren interessant und vor allem kurz und knapp gehalten. Es gab keine ausschweifenden Diskussionen, das fand ich sehr professionell.

Aber an Treffen bzw. Møteplassen (Möteplassen) sind die Norweger wohl gewohnt. Ein Møteplass findet sich nämlich auch auf den norwegischen Straßen recht häufig. Diese sind teilweise so eng, dass es immer wieder Ausbuchtungen am Rand gibt, in die ein ausweichendes Fahrzeug hineinfahren kann. Wenn man Glück hat, dann gibt’s dazu noch ein blaues Straßenschild mit einen „M“ in weißer Schrift, um einen solchen Platz zu markieren.

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Hello? Hello? – Sprachlabor im Einsatz

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Das ist ein perfekter Raum für Klassenarbeiten um das Abschreiben zu verhindern, oder nicht?

Nein , das ist ein gutes altes Sprachlabor mit dem man alle Schüler im Fremdsprachenunterricht zum Reden bekommt, auch diejenigen welche sich sonst vor der Klasse nicht trauen etwas zu sagen. Die Kopfhörer, die schallschluckenden Wände an den Seiten, das alles sorgt dafür, dass die Schüler sich nach kurzer Eingewöhnung frei äußern. Oder habt ihr nicht den Film „The King’s Speech“ gesehen in dem König Albert von Großbritannien mit diesem Trick sein Stottern teilweise überwindet?

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Die Software (Sanako) im Überblick ist einfach zu bedienen, jedoch braucht man eine kurze Einführung.

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Zielführende Funktionen aus Sicht eines Lehrer sind:

  • die Schüler können sowohl in Partnerarbeit als auch Gruppenarbeit tätig sein
  • die Paare können vom Lehrer festgelegt werden als auch zufällig durch das Programm festlegt werden
  • ich kann mich als Lehrer in jedes Schülergespräch einhören und direkt eine Rückmeldung im Gespräch geben (ich kann aber auch für die Schüler unbemerkt zuhören)
  • die Schüler können die Gespräche aufzeichnen und wieder anhören, so dass sie sich selbst korrigieren können
  • Ich kann diese aufgezeichneten Gespräche später als MP3 Datei exportieren und später noch mal einzeln oder vor der gesamten Klasse abspielen und auch beispielsweise für Bewertungszwecke verwenden IMG_2693

FAZIT: Braucht man so ein Sprachlabor? Ja, wenn man alle Funktionen nutzen möchte. Nein, wenn die Grundfunktion „Gespräche aufzeichnen“ausreichend ist. Mir ist aufgefallen, dass ich im Wesentlichen die Schüler auch mit ihren Smartphones Gespräche aufzeichnen lassen kann. Und weil ich erlebt habe, wie viel Spaß es den Schülern macht sich selbst aufzunehmen, werde ich das demnächst auch tun. Und wenn ich die Schüler dann noch bitte sich wegen minimaler Hintergrundgeräusche irgendwo außerhalb des Klassenraums aber im Schulgebäude aufzuhalten, dann könnte es spannend werden. Die Gespräche von den Smartphones kann ich über Lautsprecher im Klassenraum abspielen und mir die Dateien von den Schülernfür Bewertungszwecke zusenden lassen.

Wo ist das Klassenbuch?

Diese Frage gibt es nicht in Norwegen! 

Es gibt natürlich schon ein Werkzeug mit dem man die Anwesenheit der Schüler, Klassenarbeitstermine, Verhaltensauffälligkeiten usw. erfasst. Aber das ist voll digitalisiert und heißt „It’s Learning“.

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Wer sich mit moodle ein bisschen auskennt, dem kann ich sagen, das kann it’s learning auch und noch viel mehr…. Ich gerate gerade ins Schwärmen. Aber wenn ihr weiterlest, versteht ihr warum.

  1. Alle Lehrer an der Dalane vgs müssen it’s learning nutzen. Über it’s learning werden alle wichtigen Informationen ausgetauscht. Ein Schwarzes Brett oder einen ähnlichen Aushang gibt es hier nicht mehr. Im Kalender werden die Konferenztermine eingetragen. Bildschirmfoto 2015-09-03 um 15.43.40
  2. Als Lehrer kann ich Klassenarbeitstermine und sogar Hausaufgaben in den Kalender einer Lerngruppe eintragen. Die Schüler nutzen ebenfalls alle it’s learning, um beispielsweise Hausaufgaben digital einzureichen. Emails schreiben sie eigentlich nicht mehr an ihre Lehrer. Der digitale Kursraum ermöglicht es auch den Schülern, die eine Stunde verpasst haben, auf dem Laufenden zu bleiben.
  3. Achtung Plagiatskontrolle: Diese Funktion der Einreichung von Aufgaben ist klasse, da ich die Schülertexte digital bearbeiten kann. Eine Plagiatskontrolle ist automatisch integriert. Hat ein Schüler aus Wikipedia abgeschrieben, zeigt mir das Programm nach wenigen Sekunden die Internetquelle und den Originaltext an. Ich hab’s getestet! Sogar das Abschreiben von anderen bereits eingereichten Schülertexten erkennt das Programm als Plagiat.
  4. Unter der Kategorie Skole Arena kann ich als Lehrer meine Noten einpflegen, die Anwesenheit der Schüler vermerken etc. Die Noten gehen von dort automatisch in das Schulverwaltungssystem, so dass die Zeugnisse ohne großen Zauber zentral ausgedruckt werden können. Das Schulverwaltungssystem synchronisiert sich einmal am Tag mit It’s Learning, so dass ich dort aktuelle Klassenlisten mit den Namen und Fotos der Schüler abrufen kann.
  5. Eine Dropbox oder eine andere Form eines Organisationshandbuches braucht man ebenfalls nicht, wenn man its learning benutzt. Das ist ebenfalls integriert für die Lehrer.

Alles was man braucht, um it’s learning zu verwenden ist ein Internetzugang. Übrigens gibt es in Deutschland bereits Schulen, die its learning erfolgreich einsetzen, das habe ich auf google gesehen….

alle im Wahlfieber – Podiumsdiskussion zur Regionalwahl

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Leif Erik Egaas, der Bürgermeister von Egersund
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die jungen Vertreter der wählbaren Parteien, ganz schön viele, he?

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Alle, ja wirklich alle Schüler waren heute den ganzen Vormittag in der Aula versammelt. Es ging um die Regionalwahlen (ähnlich wie Landtagswahlen), die hier in Norwegen am 13. September stattfinden. Die Vertreter der Jugendabteilungen aller neun Parteien haben sich präsentiert und auf Schülerfragen reagiert. Moderiert wurde das ganze vom Chefredakteur der lokalen Zeitung.

Interessant waren die Reaktionen der Schüler und Lehrer für mich. Die Schüler waren wirklich ruhig, sehr ruhig. Viele haben sich Notizen über die Aussagen der Parteien gemacht, die sie später im Unterricht wieder benötigen für Präsentationen oder Diskussionen. Einige wenige haben mit dem Handy gespielt oder ins Leere gestarrt, aber insgesamt war es ruhig, wie man es bei einer Veranstaltung für Erwachsene erwarten würde.

Die Lehrer interpretierten dieses Verhalten der Schüler sehr unterschiedlich. Bei der letzten Podiumsdiskussion vor zwei Jahren, hätte es Applaus und Uh-Rufe (die Norweger rufen nicht Buh sondern UH) auf die Aussagen der politischen Vertreter gegeben, berichtete man mir. Dieses ausgesprochen passive Verhalten in diesem Jahr wurde dann als passive und indifferente politische Einstellung gedeutet. Andere meinten, das erwachsene Verhalten der Schüler spiegelt ihre Ernsthaftigkeit und ihr Interesse an der politischen Debatte wieder.

Weniger als ein Drittel der Schüler,  sind tatsächlich wahlberechtigt und können ab morgen in der Schule wählen gehen. Ein Raum wird als Wahllokal auch für die Lehrer zur Verfügung gestellt. Das ist meines Erachtens eine grandiose Idee. 🙂

Was ist anders? Was ist gleich an den beiden Schulen?

Montagmorgen, ich betretet die Schule in Egersund durch den Haupteingang. Noch ist es ruhig. Zwei Kollegen stehen im abgehenden Gang zur Administration und unterhalten sich. Mein Blick bleibt an der freundlichen Begrüßung der Anzeigetafel hängen:

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Die folgende Seite zeigt an, was heute vor 100 Jahren, heute vor 10 Jahren usw.  geschehen ist, das Kalenderblatt wird ergänzt durch ein Zitat für den Tag, unten stehen die wichtigsten Nachrichten und rechts oben findet sich noch ein Hinweis auf einen interessanten Fernsehbeitrag heute Abend. WOW.

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Natürlich darf der aktuelle Wetterbericht nicht fehlen. Das Wetter ist  – typisch für die Nordseeküste – sehr wechselhaft. Einen Tag mit Dauerregen habe ich bisher noch nicht erlebt, dafür aber tatsächlich sehr viele Sonnenstunden.

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Der Innenhof der Schule in Egersund kann lange nicht mit dem neu gestalteten Arrangement in Duisburg mithalten. Deswegen halten sich dort auch wohl keine Schüler auf.

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In den Pausen sind die Schüler in der Aula anzutreffen. Dort gibt es auch einen Kiosk, der allerdings Kantine genannt wird. Bemerkenswert finde ich, dass es drei Mirkowellen gibt, mit denen die Schüler ihr von zu Hause mitgebrachtes Mittagessen aufwärmen könnten. Bis jetzt habe ich die Mikrowellen aber nur einmal in Benutzung gesehen für das Überbacken eines Käsebaguettes. Es ist üblich, sich zu Mittag ein „Matpakken“ mitzunehmen. Das machen die Lehrer auch. Gegen 17 Uhr wird dann zu Hause mit der Familie warm gegessen.

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Die Aula wird übrigens nicht nur von den Schülern genutzt. Sie ist wie ein kleines Amphitheater angelegt und ist daher der passende Versammlungsraum für beispielsweise die Lehrerkonferenz:

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Jeden Dienstag und Mittwoch, ja ihr lest richtig, zwei mal in der Woche finden Versammlungen oder Treffen von Lehrern statt in der Zeit von 14:45 – 15:55 Uhr obwohl mittwochs nur bis 15:25 Uhr. Diese Versammlungen stehen fest im Stundenplan, auch bei mir. Jetzt ist aber nicht jeden Dienstag eine große Lehrerkonferenz wie auf dem Bild oben.In der Woche zuvor wurde die Versammlung nicht im großen Rahmen abgehalten sondern in den einzelnen Abteilungen. Die Abteilungen sind den Bildungsgängen gleich zu setzen.

Das Bild oben zeigt eine Lehrerkonferenz in der es anschließend einen interessanten Vortrag über Lernenden mit dem Asperger-Syndrom gab. (Ja, ich verstehe mittlerweile so viel Norwegisch, dass ich einem foliengestützten Vortrag mit Handy als Übersetzungshilfe folgen kann).

Vorträge über besondere Themen wie Asperger haben wir natürlich auch auf den Konferenzen am KBWR, ich weiß, aber hier ist es insofern anders, dass diese Information auch sehr bedeutend ist. Ich habe bis jetzt schon zwei Schüler mit der Diagnose Asperger und mehrere mit der Diagnose ADHS und einige mit noch irgendwas anderem getroffen. Da niemand benachteiligt werden darf, erhalten diese Schüler selbstverständlich eine Sonderbehandlung seitens der Lehrer und das anders als bei uns, ich kann es nur schwer beschreiben.  Der sozialistische Gemeinschaftsgedanke (mir geht’s gut, aber dir soll es auch gutgehen) wird hier sehr ernst genommen. Das kann eben auch dazu führen, dass es schon fast „normal“ ist, irgendeine besondere Diagnose zu haben, um die sich daraus ergebenden Vereinfachungen nutzen zu können.

Die Kollegen stehen natürlich ähnlich wie wir in Deutschland vor der Frage, wie vergibt man Noten in solchen Fällen?Ein Gespräch mit einem Lehrer für Psychologie war sehr aufschlussreich. (Dazu später mehr)

Es gibt keine Band an der Dalande Vidergående Skole. 😦

ABER der Hausmeister spielt Gitarre in einer Band. Dort war ich am Samstagabend auf dem Konzert im Pub um die Ecke. Sehr schön anzuhören 🙂  IMG_2546

Das folgende Bild unten ist nicht gestellt, es ist kein Fake!

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Es ist tatsächlich auffallend ordentlich im Schulgebäude. Allerdings gibt es auch hier Probleme mit Rauchern, die nicht auf dem Schulgelände rauchen dürfen und das dann doch mal tun. Okay, davon abgesehen, ist die Welt in Egersund noch in Ordnung, oder? Ja und Nein. Das ist eine ländliche Gegend hier, jeder kennt jeden, da will man nicht unnötig auffallen. Hinzu kommt eben dieses Verantwortungsbewusstsein für die Umwelt und Natur, das in der norwegischen Gesellschaft allgemein sehr ausgeprägt ist. Meines Erachtens könnten wir in Deutschland uns noch einiges abgucken von Norwegern. Als Stichwort möchte ich nur die hier häufig anzutreffenden, steuersubventionierten E-Autos nennen. Oder wusstet ihr, dass Norwegen den Großteil seiner autonomen Energieversorgung durch Wasserkraft bewerkstelligt? Und schließlich genügt ein Blick in die Natur, denn Müll findet man hier wirklich nur in Mülleimern.

Aber keine Panik

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Wie man sieht mache ich kräftig Werbung für das KBWR und zeige jeden Tag mit dem Button, wo ich „weg“ komme. Grüße auf diesem Wege auch von Tor-Magne Rotevatn, dem stellvertretenden Schulleiter der Dalande Vidergående Skole, Egersund.

Wie lerne ich Vokabeln? – circle training

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Eine interessante Stunde, die ich gestern im Englischunterricht für Auszubildende im Bereich Dienstleistung und Administration durchgeführt habe, hatte das Thema „Vergleich von sechs verschiedenen Lerntechniken für Vokabeln“.

Ich war sehr überrascht, dass die Schüler meiner Gastschule, der Dalane Vidergaende Skole (hier meine Seite über die Schule: https://frauhartkopf.wordpress.com/die-dalane-vidergaende-skole/) zu diesem Thema kaum Vorwissen hatten. Eine Mindmap beispielsweise kannten nur einige wenige Schüler dieser oben abgebildeten Lerngruppe. Deutsche Schüler fangen schon bei dem Wort „Mind..“ das Stöhnen oder Stifte kramen an. Hier musste ich den Kleingruppen erstmal die Technik erklären. Das hat mich total überrascht. Und doch haben sie alle bessere Englischkenntniss als so mancher Schüler am KBWR. Ach, wenn ich doch bloß die Synchronisation der Filme und Serien auf deutsch abschaffen könnte….

Die Auszubildenden aus dem Bereich Dienstleistung und Administration waren sich übrigens einig, dass Labelling (Markieren von Gegenständen mit Post-its; siehe Foto unten) die beste der sechs vorgestellten Lernmethoden zum Vokabellernen ist. Sie waren so originell und haben schließlich alles im Klassenzimmer mit gelben Klebezetteln und Namen versehen, vom Mülleimer über die Tafel  bis zu den Vorhängen an den Fenstern. Auch ich als Lehrer habe eine Beschriftung bekommen. Natürlich mit meinem Vornamen, Andrea. Schließlich duzt man sich 😉

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Dieselben Materialien habe ich heute in einer anderen rein männlichen Lerngruppe aus dem Bereich Technik verwendet. Die Jungs kannten sehr wohl Mindmaps und finden diese als Lerntechnik allemal akzeptabel. Am besten gefallen hat Ihnen jedoch nicht das Labelling sondern das Lernen mit Karteikarten in Form eines Memory-Spiels. Da hier im Unterricht jeder Schüler einen Laptop dabei hat, konnten die Schüler gleich auf www.quizlet.com weiter üben. Ich bin mal gespannt, wie nachhaltig das Üben ist und was die nächsten Stunden bringen werden.